Geschichte des Hauses

Das historistische, viergeschossige Gebäude, in dem sich das Justizzentrum befindet, wurde in den Jahren 1895 bis 1899 im Zuge einer Zentralisierung als Kaiserliche Post errichtet und diente über mehr als 100 Jahre als Hauptpost der Stadt. Noch heute (Stand 2016) ist im südlichen Teil des Gebäudes eine große Filiale der Deutschen Post AG untergebracht. Die Pläne des Gebäudes wurden von dem für die Oberpostdirektion tätigen Architekten Paul Sell erarbeitet. Auch ein Architekt Schöne wird benannt.[1] Der Bau war zur Bauzeit stark umstritten, da dafür das Rochsche Haus von 1595 und die St.-Pauli-Kirche der deutsch-reformierten Gemeinde, Taufkirche des späteren Generals Friedrich Wilhelm von Steuben, abgerissen wurden.

Das aus vier Flügeln bestehende, sehr große Gebäude wurde in Anlehnung an den Stil der niederländischen Spätgotik und Renaissance gebaut. Durch seine Größe und das schlossartige Gepräge ist es das dominierende Gebäude am südlichen Breiten Weg, der historischen Hauptstraße der Stadt. Die zum Breiten Weg zeigende Fassade ist mit Sandsteinplatten in Werksteingestaltung verkleidet und üppig gotisierend dekoriert. Drei flache Risalite werden jeweils von einem Schweifgiebel bekrönt. Der breite mittlere Risalit ist mit figürlichem Dekor, Kaiser Otto I. und seine Frau Editha darstellend, versehen. Die schmaleren Risalite verfügen über polygonale Erker mit Maßwerk. Die Eingangsbereiche verfügen über neogotische Steinrippengewölbe. An der südlichen Ecke befindet sich ein fast quadratischer Turm, der für die Telegraphenstation diente.

Die Fassaden der Süd- und Westseite wurden im Stil der deutschen Renaissance als Putzbau errichtet und sind mit roten Sandsteinelementen verziert. Bemerkenswert ist dabei vor allem die zur Max-Josef-Metzger-Straße zeigende Westfassade. In Reaktion auf die Kritik am beabsichtigten Abriss des Rochschen Hauses hatte man gegenüber der Öffentlichkeit eine Fassadengestaltung nach dem Vorbild des Gebäudes versprochen und setzte dies auf der Rückseite des Gebäudes in Teilen um. Die dort befindlichen Durchfahrten und der mit Reliefdekor versehene kastenartige Erker lehnen sich frei an das Vorbild des Rochschen Hauses an. Im übrigen besteht auch hier eine Werksteingliederung. Es entstand ein dreigeschossiger Putzbau mit einem großen Ziergiebel, darunter eine tonnengewölbte, von Säulen in zwei Fahrbahnen geteilte Durchfahrt auf den Innenhof. Die Tonnengewölbe sind von Stichkappen durchbrochen. Dazu seitlich versetzt ein zweigeschossiger Gebäudeteil mit hohem Volutengiebel. Der Erker ist mit figürlichem Dekor verziert. Nördlich hiervon schließt sich ein um 1900 entstandener zwei bis dreigeschossiger verputzter Gebäudeteil mit Segmentbogenfenstern an, der ursprünglich als Pferdestall und Remise diente.

Das Gebäude trug im Zweiten Weltkrieg zwar Schäden davon, blieb jedoch im Wesentlichen gut erhalten. Von 1974 bis 1986 wurde die Sandsteinfassade restauriert und die hier noch bestehenden Kriegsschäden beseitigt. Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends erfolgte dann der Umbau zum Justizzentrum, in das die bis dahin über das Magdeburger Stadtgebiet verstreuten Gerichte (bis auf das Landgericht) und die Staatsanwaltschaft zentral untergebracht wurden.

(Quelle:"WIKIPEDIA")